Aktuelles - 2024

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Vortrag Montag, 24.06. 2024 Wissensturm, 19:30 Uhr - Vortragender: Dr. Günther Wuchterl

Thema: "Was ist ein Planet und wie helfen kleine Teleskope "PLATO" terrestrische zu entdecken "

Im Sonnensystem definiert die "Prager" IAU-Resolution seit 2006 die Planetenklassifikation. Ein Ergebnis der "Pluto-Debatte". Außerhalb des Sonnensystem existiert eine "Arbeitsdefinition" seit der Wiener IAU Generalversammlung von 2018. In der Praxis wird auch der Vorschlag von Hatzes und Rauer als Richtlinie verwendet (z.B.: exoplanet.eu). Für die CoRoT-Mission, die den ersten exo-terrestrischen Planeten, "CoRoT-7b" entdeckte, hat Dr. Wuchterl mit seinen Mitarbeiter:innen ein physikalisches Konzept für eine charakteristische Planetenmasse erarbeitet, das sich aber, vielleicht wegen zu wenigen genau bekannten Planeten, bisher nicht durchgesetzt hat. Der NASA-Planetensucher "TESS" bietet eine Chance mit neuen Planeten die Sache noch einmal anzusehen und einen Vorgeschmack auf die ESA-Mission "PLATO" (Planetary Transits and Oscillations of Stars, https://plato-planeten.at/ , die 2026 startet und erstmals leistungsfähig genug ist um Planeten zu entdecken, die in Masse, Größe und Umlaufszeit mit jenen des inneren Sonnsystems überlappen. Bei PLATO werden auch kleine Teleskope eine große Rolle für die Kontrolle und Bestätigung der Planetenkandidaten spielen. Ich erkläre wie das geht und wie ein Beitrag möglich ist. Mit der Auswahl des ersten PLATO Langzeit-Beobachtungsrichtung, im vergangenen Sommer, steht nun fest welche Himmelsregion in den ersten beiden Jahren nach Planeten abgescannt wird. Es ist das sogenannte "LOPS2" Feld, mit grob 49° Durchmesser, um Canopus und das Sternbild Pictor. Damit ist sehr wahrscheinlich, dass der nächste Transit eines terrestrischen Planeten auf der Südhalbkugel stattfinden wird. Dr. Wuchterl wird mit uns Überlegungen anstellen wie wir diesen Exo-Venustransit erwischen und beobachten können.


Foto: Dr. Günther Wuchterl, anläßlich des ersten CoRoT Symposium in Paris im Februar 2009

Rückblick Vortrag Montag, 13.05.2024 - Vortragender: Michael Jäger

Thema: "Halleys großer Bruder"

Fast 40 Jahre nach dem periodischen Komet 1P/Halley ist aktuell sein großer "Bruder" 12P/Pons-Brooks im Inneren des Sonnensystems unterwegs. An diesem Abend blickten wir zurück auf die Erscheinung der zwei größten periodischen Kometen in unserem Sonnensystem.

Aktuell ging der Vortragende auf den Zusammenhang von Kometen mit dem Sonnenwind ein, der zur Zeit auf Grund der sehr aktiven Sonne zu wunderbaren Nordlichterscheinungen auch in mittleren Breitengraden führt. Die ionisierten Gasschweife von Kometen verändern sich sehr rasch und beeindruckend eben durch diese Sonnenwinde. Seine wunderbaren Aufnahmen zeigten diese Veränderungen von Nacht zu Nacht bzw. sogar stündlich.
Apropos Polarlichter: Im Anschluß an den Vortrag stellte unser Vereinsmitglied Herwig Sulzbacher ein sehr sehenswertes Video vor. Ihm ist es, mit seiner All-Sky-Kamera mitten aus der Stadt heraus (Standort Keferfeld) gelungen in der Nacht vom 10.5. auf 11.5. ein faszinierendes Video von Nordlichterscheinungen über dem Stadthimmel von Linz aufzunehmen. Unglaublich wie sich zeitweise dieses Polarlicht hier am 48 Breitengrad bis über den Zenit gut sichtbar am hellen Stadthimmel erstreckte.
Auf YOUTUBE ist diese aktuelle Polarlicht-Video unter folgendem Link zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=JcRpD0v-HPY



Foto: Michael Jäger - Das Bild ist vom 19.3.2024 aufgenommen mit 11" RASA und QHY600



Michael Jäger ging an diesem Abend aber auch auf die Boulevardpresse, mit ihrem oft überbordenden, sprachlichen Umgang mit Kometenerscheinungen ein und dem Hang zur Ankündigung von freisichtigen Kometen, die dann letztendlich nicht halten können was sie versprechen und dann oft für normale Beobachter ein frustrierendes, sehr bescheidenes Beobachtungserlebnis bescheren.


Fotocollagen vom Vortragsabend: Johannes Stübler

Zum Schluß der Schau der großen Kometen 1P/Halley und 12P/Pons-Brooks brachte Michael Jäger auch einen Ausblick auf den nächsten freisichtig zu sehenden Kometen namens Tsuchinshan-ATLAS. Dieser hat das Potenzial im Oktober dieses Jahres außergewöhnlich hell zu werden. Aber auch hier neigt er eher zu einer vorsichtigen Einschäzung der zu erwartenden Helligkeit, räumt aber ein das dies ein Komet mit hohem Staubanteil sein soll und somit gute Chancen hat freisichtig, deutlich am Himmel sichtbar zu sein.



Der Referent Michael Jäger beschäftigt sich seit 1982 intensiv mit der Beobachtung von Kometen. Bis 2014 nahm er mehr als 500 dieser Himmelskörper auf, bis März 2021 waren es über 1000. Am 28. August 1994 entdeckte der Amateurastronom ein Kometenbruchstück, das sich vom Kometen 141P/Machholz abgetrennt hatte. Am 23. Oktober 1998 entdeckte er den Kometen 290P/Jäger. Er war der erste, der durch gezielte Fotoserien die Rotation eines Kometenschweifs nachwies.

Vereinsinternes Detail: Im Jahr 1985 erwarb der Verein Michael Jäger's C14-Teleskop (Fa. Celestron - 14 Zoll Öffnung) und hat es seit her in Verwendung. Im Jahr 2016 wurde das langbrennweitige (f/10) auf ein Hyperstar-System auf schnelle, lichtstarke f/1,9 umgebaut und auf der Sternwarte in Gramastetten eingesetzt. Zur Zeit befindet sich das Hyperstar auf der Hohen Dirn und wird hinkünftig zur Astrometrie von Kleinplaneten/NEOS eingesetzt um einen IAU-Observatory-Code zu erlangen.

Rückblick Vortrag Montag, 22.04.2024 - "Daten aus dem All" Vortragender: Armin Leitner



Fotocollagen: Johannes Stübler





Das Innsbrucker Unternehmen GeoVille ist auf die Erdbeobachtung mittels Satellitendaten spezialisiert und entwickelt seit 25 Jahren innovative Lösungen für den Umwelt- und Klimaschutz. Während jeder das Satellitenbild für die Wettervorhersage aus den Nachrichten kennt, oder mit seinem Mobilgerät Satellitensignale für die Navigation nutzt, ist die Landbeobachtung mittels Satellitendaten noch ein vergleichsweise kleiner, aber bereits sehr dynamischer Markt. Im globalen Umweltbeobachtungsprogramm Copernicus ist GeoVille einer der führenden Anbieter für die Landbeobachtung, und in den vergangenen Jahren konnte GeoVille für einen weltweiten Kundenkreis über 400 Projekte in mehr als 140 Ländern erfolgreich umsetzen. Im hochinteressanten Vortrag wurden moderne Satellitenmissionen sowie Datenverarbeitungs- und Auswertemethoden (u.a. mittels Künstlicher Intelligenz und Cloud Computing) und konkrete Anwendungsmöglichkeiten für den Umwelt- und Klimaschutz vorgestellt.

Der Referent:
Armin Leitner (Data Scientist) ist ein studierter Mathematiker und leidenschaftlicher Erdbeobachtungsexperte mit umfangreicher Programmiererfahrung und Spezialwissen in den Bereichen Fernerkundungslösungen, Geoinformationstechnologien und Umweltüberwachungsanwendungen. Er verarbeitet die öffentlichen und kostenlos zur Verfügung gestellten Daten der Sentinel - Satelliten des Erdbeobachtungsprogrammes Copernicus der ESA. Es ist erstaunlich welche Erkenntnisse durch diese Verarbeitung in Zusammenhang mit zeitlichen Verläufen gewonnen werden können. Die beiden Satelliten Sentinel 2A und 2B umkreisen um 180° versetzt auf der gleichen Umlaufbahn die Erde , und durch die große Abtastbreite von 290 km, wird eine hohe temporale Abdeckung der Erdoberfläche erreicht. So ist es möglich, dass der gesamte Planet, außer der Antarktis, alle 5 Tage überflogen und bei wolkenfreien Bedingungen vermessen/untersucht werden kann.



In Zeiten, in denen die Erdbeobachtung vor einer Revolution stehe, glaubt er, dass Satelliten das Verständnis unseres Planeten verbessern und diversifizieren.

Rückblick auf die Monatsversammlung vom Montag, 18.3.2024

Mitglieder des Vereins und des Vereinsvorstandes trafen sich zum jährlichen Rückblick auf das abgelaufene Vereinsjahr 2023 + Ausblick auf das Jahr 2024


Fotocollagen: Johannes Stübler

Der Vereinsvorstand ließ in kurzen Präsentationen das abgelaufene Vereinsjahr vorüberziehen. Obmann Günther Martello brachte einen Rückblick auf die Aktivitäten des letzten Vereinsjahres.


Der Kassier, Kurt Gussner gab einen aktuellen Einblick in die Entwicklung des Vereinskontos




Johannes Stübler präsentierte den Status von laufendenProjekten, wie zB. den Ausbau der Sternwarten Hohe Dirn, Gramastetten und St.Johann. Aber auch geplante Ausbauten des technischen Equipments in der Keplersternwarte Linz wurden vorgestellt. Im Anschluß folgte von Martello Günther eine Vorschau auf Astronomische Ereignisse im Vereinsjahr 2024. Auch Besucher, also auch Nichtvereinsmitglieder, konnten sich an diesem Abend über die Aktivitäten in unserem Verein informieren.

Rückblick Vortrag - Montag, 26.2.2024, 19 Uhr 30, Wissensturm Linz
"Die Musik der jungen Sterne" - Vortragende: Prof. Konstanze Zwintz


Fotocollage: Johannes Stübler

In diesem Vortrag ging es um die sogenannte Asteroseismologie – die Lehre von Sternschwingungen – die es erlaubt das Innere von pulsierenden Sternen in verschiedenen Entwicklungsstadien zu untersuchen. Prof. Konstanze Zwintz ist eine weltweit anerkannte Expertin auf dem Gebiet der Astroseismologie. Die Referentin bot den Zuhörern einen tiefen Einblick in eine sehr junge Disziplin in der astronomischen Grundlagenforschung. Erst vor wenigen Jahren wurde klar, dass auch asteroseismologische Untersuchungen von Sternen vor dem Beginn des Wasserstoffbrennens im Kern – sogenannten Vorhauptreihensternen – große neue Erkenntnisse über deren inneren Aufbau liefern können. Das war der Beginn des Forschungsgebiets mit dem Namen >>Asteroseismologie von sogenannten Vorhauptreihensternen<<.
Hier werden offene Fragen früher Sternentwicklung untersucht. Beispielsweise die Fragen nach der genauen Bestimmung des Alters von Sternen, der Geschwindigkeit früher Sternentwicklung, der Entwicklung des Drehimpulses zwischen der Sterngeburt und dem Beginn des Kern-Wasserstoffbrennens oder der Entwicklung der chemischen Zusammensetzung junger Sterne. Sterne werden aus riesigen Staub- und Gaswolken geboren. Diese Wolken erschweren unseren Blick auf junge Sterne. Trotz dieser Schwierigkeiten können wir mit heutiger Technik einen Blick auf die ersten Phasen im Leben von Sternen werfen und erfahren dabei, dass Sterne schwingen und damit "klingen" können. Wie diese Schwingungen helfen, junge Sterne und ihre weitere Entwicklung besser zu verstehen und was das mit unserer Sonne zu tun hat. Wir erfuhren, wie uns die „Musik der Sterne" dabei helfen kann, mehr über die Kindheit und Jugend von Sternen zu lernen. Wir haben an diesem Abend auch einige beeindruckende Hörbeispiele bekommen in denen die Frequenzen eben entsprechend in den für Menschen hörbaren Frequenzbereich transponiert wurden. Man kann nur froh sein, dass im Weltall ein Vakuum vorherrscht, denn sonst wäre es sehr laut rund um die Sterne ;-)

Foto:Johannes Stübler

Die Forschungsarbeit der Referentin ist reine Grundlagenforschung. Diese liefert auch immer wieder interessante Nebenprodukte die generell zum Verstehen zur Bildung von Planetensystemen beitragen. So war es interessant zu hören, dass zB beim 63 Lichtjahre entfernten Stern Beta Pictoris, der noch von einer Scheibe aus Gas und Staub umgeben ist, Kometen entdeckt wurden, also EXO-Kometen. Die Daten die diesen Entdeckungen zu Grunde liegen kommen neben anderen Projekten vom NASA TESS Satelliten, dessen vorrangige Aufgabe die Entdeckung von Exoplaneten ist. Solche Entdeckungen tragen wesentlich zum Verständnis bei wie zB. die Verteilung von Wasser in Sonnensystemen erfolgt und letztendlich das Wasser auf unsere Erde gekommen ist. Das Verständnis dafür wie sich die jungen Sterne entwickeln und wie ihr Lebensweg aussieht bis sie sich als fertige "erwachsene" Sterne im bekannten Hertzsprung-Russell-Diagramm in die Hauptreihe einreihen, ist heute auf Grund solcher Forschungstätigkeiten um viele Facetten reicher geworden.


Foto:Johannes Stübler

Zur Referentin:
Prof. Konstanze Zwintz ist eine weltweit anerkannte Expertin auf dem Gebiet der Astroseismologie. Sie wurde in Wien geboren und studierte Astronomie an der Universität Wien. Seit Oktober 2018 ist sie Professorin an der Universität Innsbruck. Sie leitete in den letzten beiden Jahren auch das BRITE-Constellation Projekt mit den ersten beiden österreichischen Satelliten. Einer ihrer Forschungs-Schwerpunkte ist die Erforschung von jungen Sternen mithilfe von Sternschwingungen.

Fotocollage: Johannes Stübler / Image credit rechter Bildausschnitt: Target Group



RÜCKBLICK auf den Vortrag vom Montag, 22.1.2024, 19 Uhr 30, Wissensturm Linz
"Adaptive Optik – eine Brille für Riesenteleskope! - Vortragender: Dr. Andreas Obereder


Das Extremely Large Telescope (ELT) der ESO wird das größte „Auge am Himmel“ sein, wenn es in diesem Jahrzehnt das erste Licht erreicht. Das Teleskop erzeugt mithilfe von Lasern künstliche Leitsterne, um zu messen, wie stark das Licht durch Turbulenzen in der Erdatmosphäre verzerrt wird. Der verformbare Spiegel passt seine Form in Echtzeit an, um diese Veränderungen in der Atmosphäre auszugleichen. Diese sogenannte Adaptive Optik hilft dem ELT dabei, Bilder zu erzeugen, die 16-mal schärfer sind als das Hubble-Weltraumteleskop. Auch aus Linz gibt es Beiträge zur Adaptiven Optik des Extremely Large Telescopes der ESO (European Southern Observatory)!


Fotos und Collagen: Johannes Stübler

Die Besucher unseres Vortrages hatten die einmalige Gelegenheit ein hochkomplexes, topaktuelles Thema zu verfolgen und durften erleben wie ein Mathematiker die Zuhörerschaft begeisterte. Der Linzer Mathematiker und Wissenschaftsbotschafter Dr. Andreas Obereder vom RICAM Johannes Kepler Universität Linz - Institut für Industriemathematik und Team Mitglied des international angesehenen, sehr erfolgreichen Austrian Adaptive Optics Systems, nahm die Zuhörerschaft mit auf eine höchst erfolgreiche Linzer Entwicklungsreise. Primär ging es darum zu verdeutlichen welcher technischer und rechnerische Aufwand notwendig ist der irdischen Atmosphäre ein Schnippchen zu schlagen, um aus der durch die Luftmassen völlig verschmierten und unscharfen Sternenabbildungen ein scharfes Sternenbild zu generieren das sogar Weltraumteleskope bei weitem übertrifft.



Von dem Angebot des Vortragenden Zwischenfragen zu stellen wurde rege Gebrauch gemacht, was den Vortragenden sehr erfreute, ihn aber ganz schön ins Schwitzen gebracht hat die extrem komplexen und zum Teil hochmathematischen Problemstellungen in einfache Worte für die Zuhörerschaft zu packen. Zusammenfassend kann man nur sagen: " Alles ist sehr kompliziert" und das Linzer Entwicklungsteam - Austrian Adaptive Optics Systems - arbeitet hier führend an einer Edge on Technologie, die die Hardware und Rechenleistung der heutigen Computersysteme an ihre Grenzen bringt.



Johannes Kepler würde staunen, was heute alles technisch möglich ist und welch wissenschaftliche Beiträge aus seiner damaligen Wahlheimatstadt Linz aktuell für die Wissenschaftswelt international erbracht werden. Unzählige international beachtete Publikationen und Dissertationen sind mittlerweile aus diesem Projekt hervorgegangen und die Ergebnisse harren auf ihren Echteinsatz, wenn das größte Teleskop der Welt in Betrieb geht. Nachfolgend ein Beispiel für eine solche Dissertation: https://epub.jku.at/obvulihs/download/pdf/6924613


Diese einfache Skizze aus dieser Dissertation veranschaulicht worum es geht.




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